Häufig gestellte Fragen in der Kleintierpraxis
Warum darf mein Tier vor einer Narkose nichts fressen?
Vor einer Narkose müssen die Tiere nüchtern bleiben, da der Futterbrei im Magendarmtrakt den Bauchraum anfüllt und somit das Zwerchfell einengt, was wiederum die Atmung erschwert.
Außerdem führen die Narkotika häufig zu Erbrechen. Da der Hustenreflex durch die Narkose eingeschränkt ist, kann es dann zum Verschlucken und Aspiration in die Lunge kommen.
Auch nach der Narkose sollte man am Besten 5 Stunden mit der Fütterung warten, da sonst das Futter vielfach wieder erbrochen wird.
Eine Ausnahme stellen die kleinen Nagetiere dar, da diese nicht erbrechen können und deren Verdauung so ausgelegt ist, dass sie nicht nüchtern gelassen werden dürfen.
Kastration eines Rüden
Soll ich meinen Rüden kastrieren lassen?
Welche Alternativen gibt es zur Kastration?
Wenn ein Rüde gegenüber anderen Hunden ein ausgeprägtes Aggressionsverhalten zeigt, ergeben sich häufig Probleme mit der Haltung des Hundes. Ist dieses Verhalten bei einem jungen Rüden im Zuge der Geschlechtsreife aufgetreten, kann die Kastration (Entfernung der Hoden) Abhilfe schaffen.
Vorher sollte jedoch überlegt werden, ob das Verhalten auch durch ein gezieltes Training verbessert werden kann.
Ein kastrierter Rüde verhält sich zumeist freundlich gegenüber anderen Hunden.Das Verhalten gegenüber Menschen wird durch die Kastration nur wenig beeinflusst.
Ein kastrierter Rüde zeigt weniger Revierverhalten, dass heißt er makiert nicht mehr.Das Interesse an läufigen Hündinnen ist wenig ausgeprägt.
Nachteil:
Es kommt zur Verwechslung unter Artgenossen, so dass beispielsweise eine Hündin den kastrierten Rüden als "Rivalin" behandelt. Auch versuchen anderen Rüden häufig, kastrierte Rüden zu besteigen.
Vorteile:
- wenig Aggressionsverhalten
- kein Markieren
- besseres Handling
- kein Weglaufen, wenn läufige Hündinnen in der Nähe
- Spiel- und Sozialverhalten ansonsten unverändert
Nachteile:
- OP notwendig
- gemäß Tierschutzgesetz ist ein solcher Eingriff nur erlaubt, wenn eine Notwendigkeit (Indikation) vorliegt
- Hündinnen teilweise aggressiv gegenüber kastrierten Rüden
- Weitere Gründe, die für eine Kastration sprechen:
- Prostataprobleme
- Erbkrankheiten, die nicht weiter vererbt werden sollen
Alternativen zur Kastration
- Hormonbehandlung
Es besteht die Möglichkeit einer Hormoninjektion. Das Sexualverhalten des Rüden wird für einige Wochen unterdrückt - die Deckfähigkeit bleibt jedoch erhalten - Implantation eines Chips
Bei dieser neueren Methode bekommt der Hund einen Chip unter die Haut gespritzt, der ca. 6 Monate lang kontinuierlich einen Wirkstoff freisetzt. Dieser Wirkstoff führt zu einer Deckunfähigkeit und einem Verhalten, wie es einem kastrierten Rüden entspricht. Ist der Wirkstoff abgebaut, erlangt der Rüde wieder seine Deckfähigkeit und sein altes Verhalten zurück.
Welche Vor- und Nachteile hat eine Kastration der Hündin?
Während der Läufigkeit haben Hündinnen und ihre Besitzer häufig Stress zum Beispiel durch freilaufende Rüden. Da die meisten Hündinnen sich im Laufe ihres Lebens nicht vermehren sollen, denken daher viele Besitzer über eine Kastration nach.
Bei der Kastration werden die Eierstöcke entfernt, was eine zuverlässige Ausschaltung der Fortpflanzungsfähigkeit und Blutungen mit sich bringt. Ganz im Gegensatz dazu würden bei einer Sterilisation immer noch die Läufigkeitsblutungen auftreten, da nur die Eileiter durchtrennt werden.
Die Vorteile liegen darin, dass die Kastration ein einmaliger Eingriff ist (im Gegensatz zu Spritzen zur Unterdrückung der Läufigkeit). Außerdem werden Gebärmuttervereiterungen, die bei nicht kastrierten Hündinnen im Laufe des Lebens auftreten können, verhindert.
Ein weiterer Vorteil ist, dass die Gefahr der Ausbildung von Gesäugetumoren um bis zu 90% sinkt, wenn man die Hündinnen unmittelbar vor oder nach der ersten Läufigkeit kastriert.
Nachteile sind ein gelegentlich bei großrassigen Hunden auftretendes Harnträufeln, welches durch Medikamente behandelt werden kann. Außerdem muss auf bedarfsgerechte Fütterung geachtet werden, da die Hündinnen leichter zunehmen.
Bei langhaarigen Hunden mit glänzendem Deckhaar (besonders Spaniels, Setter und Langhaardackel) kann es zu Fellveränderungen kommen. Sie bekommen dann eine Art Welpenfell durch die Zunahme des Wollhaares.
Kastration Kaninchen/Meerschweinchen
Drei häufig gestellt Fragen sind:
- Wann ist mein Kaninchen/Meerschweinchen geschlechtsreif?
- Wann kann ich es kastrieren lassen?
- Muss ich es unbedingt kastrieren lassen?
Das Kaninchen erlangt im Alter zwischen 4-6 Monaten (je nach Größe) die Geschlechtsreife. Weibliche und männliche Kaninchen sollten schon rechtzeitig vor der Geschlechtsreife getrennt werden, damit es durch "frühreife" Kaninchen nicht zu unliebsamen Überraschungen in Form von Nachwuchs kommt. Eine sichere Geschlechtsbestimmung ist etwa im Alter von 4/5 Wochen möglich.
Im allgemeinen werden die männlichen Kaninchen (Rammler) kastriert. Wird ein Rammler alleine gehalten, ist eine Kastration nicht notwendig. Bei der Haltung von zwei männlichen Kaninchen kommt es erfahrungsgemäß nach Erlangung der Geschlechtsreife zu Rangeleien (Rangordnungskämpfe) untereinander, bei denen sich die Kaninchen auch erheblich verletzen können. Um dieses zu verhindern, ist es empfehlenswert, beide Kaninchen zu kastrieren.
Kastrierte Rammler und weibliche Kaninchen leben meist verträglich zusammen.
Es hat sich bewährt, das weibliche und männliche Kaninchen auch nach der Kastration noch 4-6 Wochen getrennt zu halten und langsam aneinander zu gewöhnen.
Weibliche Meerschweinchen werden zwischen der 4 - 6 Woche geschlechtsreif, männliche Meerschweinchen etwa zwischen der 9 - 10 Woche. Wie auch bei den Kaninchen sollte man Meerschweinchenböcke und Weibchen nach Möglichkeit rechtzeitig vor der Geschlechtsreife und bis zur Kastration des Bockes trennen, um keine unerwünschte Nachzucht zu erhalten. Ansonsten lassen sich kastrierte Böcke und Weibchen gut zusammen halten. Meerschweinchen sollten nach Möglichkeit wenigstens immer zu zweit gehalten werden, da es Gruppen-Tiere sind.
Wie bei Kaninchen kommt es auch bei männlichen Meerschweinchen nach der Geschlechtsreife zu Rangordnungskämpfen, bei denen sich die Tiere erheblich verletzen können. Daher sollten bei der Haltung von zwei männlichen Tieren auch hier beide kastriert werden.
